Kalla Wefel eröffnet wortwitzigen Wahlkampf um Oberbürgermeisteramt in „Lotte-Ost“

Eine Zeitreise war es allemal, auf die der Osnabrücker Kabarettist Kalla Wefel sein Publikum im Alt-Lotter Schützenhaus mitnahm. Die Grünröcke hatten zum Klönabend mit „Musikalischer Reise durchs Osnabrücker Land“ eingeladen. Es gab zwar wenig Osnabrücker Land, dafür aber viel Musik der 60er-Jahre und noch mehr Kabarett – auch mit autobiografischen Zügen.

Amüsant ging es bereits los, als Schützenpräsident Eckhard Kottmann sagte: „Begrüßen möchte ich den vielleicht als Oberbürgermeister im Vorort von Lotte kandidierenden Kalla Wefel.“ Wefel: „Lotte-Ost. Ich wusste nicht, dass der Wahlkampf hier eröffnet wird – aber gut.“

Nach dem deftigen Grünkohlbuffet von Caterer Schubert ging Wefel gleich in die Vollen: „Ich als Ur-Osnabrücker werde OB von Osnabrück. Die Umfragen sagen, es gibt 376 Prozent für mich. Ich opfere mich für meine Stadt auf, nicht für meine Partei; ich habe nämlich keine.“ Es folgte ein Werbeblock, in dem er Bücher und CD vorstellte und erklärte, warum Osnabrücker gegen Chancengleichheit seien: „In Frankfurt ist die Chance, ermordet zu werden, mehr als 13-mal höher als in Osnabrück.“

Spitzfindig, schlitzohrig, wortwitzig und mit skurrilen Verknüpfungen gestaltete der Sohn zweier Aufschneider („Meine Eltern waren Chirurgen“) den Abend. Das gemeinsame Leben mit Christian Wulff gab es in einer Trilogie auf vier Seiten. „Als ich nach Hamburg ging, ist der völlig orientierungslose Christian Wulff der CDU beigetreten“, hieß es.

Auf Wunsch von Eckhard Kottmann werde er etwas aus seinem Buch vorlesen, sagte der Kabarettist und blätterte in „Osnabrück – Heimatstadt zwischen Quakenbrück und Kattenvenne“ den Zeitgeist von vor rund 50 Jahren auf. Wefel war Teenie und spielte in der Band „The Set“.

Er setzte alles auf die Musik, um Mädchen zu imponieren, und vernachlässigte die Schule. Der erste Auftritt war in der „Milchbar“ am Nikolaiort. Die Bandmitglieder jobbten für neue Instrumente und Verstärker für Auftritte in größeren Sälen. Die Tour führte sie auch in die „Gondel“ nach Alt-Lotte, ins „Waldschlösschen“ nach Lienen und in neue Clubs, wie den Osnabrücker „99“.

Wefel war mitten in den 1960ern: „Es war die Zeit, als Schwule hinter vorgehaltener Hand als 175er bezeichnet wurden. Man schämte sich, wenn man einen kannte. Der Paragraf stammte noch aus dem Jahr 1872.“ Damit rief der Kabarettist Erinnerungen wach an die Hippie-Zeit und die Probleme, die vor allem konservative Gesellschaftsteile mit den „Revoluzzern“ hatten: „Langhaarige wurden als Gammler bezeichnet. Die mussten sich Sprüche anhören wie: Geht nach drüben in die DDR. Ihr gehört ins Arbeitslager.“

Das Publikum schmunzelte – auch bei der Erinnerung, dass Süßkram wie Nappo und Prickel Pit je fünf Pfennige kosteten. „In der Schule hieß es: Je länger die Haare werden, umso schlechter werden die Zensuren“, blickte Wefel auf die Zeit zurück, als er das erste Mal sitzen blieb. Auch weil „The Kinks“ und die „Beachboys“ zu seinen Lieblingsbands avanciert waren. Dass er dann in Hamburg sein Abi baute, erfuhren die Lotter gleichfalls.

Wie einfach es bereits damals war, mit den Gitarrengriffen G-C-D-C zahlreiche Ohrwürmer zu begleiten, ließ der Kalla Wefel hören mit Hits, die das Publikum textsicher mitsang – jedenfalls viele Refrains. Der Osnabrücker fühlte sich offenkundig wohl im Westfälischen und meinte nach zweieinhalb Stunden: „Leute, ich kann nicht mehr.“

Was möglicherweise neues Programm ist und was „echt passiert“ war, musste jeder für sich beurteilen. Eine unterhaltsame Zeitreise war es allemal.

Text und Bild: Ursula Holtgrewe (NOZ)

Weiberfastnacht der Lotter Schützen stoppt Sexismusdebatte zum Vorteil des Zotigen

Das Zepter fröhlicher Narretei schwangen die Frauen an Weiberfastnacht im Alt-Lotter Schützenhaus. Sie feierten ausgiebig die fünfte Jahreszeit mit Schunkeln, Singen, Tanzen und Lachfalten vertiefenden Aktionen sowie Büttenreden aus dem Hause der Ohrbecker Narren.

„Nutzt die Stunden voller Freude und vergesst die Sorgen des Alltags“, begrüßte Mitorganisatorin Heike Kottmann die jecken Weiber. Sie riet ausgelassen zu feiern und Lachen zu verschenken, auch wenn die Narren-Saison vorbei ist. Damit fing das gut gelaunte Thekenteam an: Brigitte Gausmann, Renate Krause, Annegret Teepe und Heidi Willms, verkleidet als Charleston-Lady, Baseballspielerin, Omi und Teufel.

Derweil ließen es sich die Gäste gut gehen, denn mit dem Eintritt hatten sie ein All-in-Ticket gelöst für lange und kurze Getränke, Imbiss und bissige Beitragskünstler. Den Auftakt machte Clown Andreas Hille, seit Jahren willkommener Gast in Alt-Lotte. Erneut öffnete er das Familien-Nähkästchen und breitete erstaunliche Erlebnisse mit seinem Dornröschen aus. Neulich habe sie ein Zwei-Euro-Stück verschluckt und dem Arzt berichtet, dass nur Kleingeld herauskomme. Der Doc: „Das ist kein Wunder. Sie sind in den Wechseljahren.“

Als sie sich ein drittes Kind von ihm wünschte, verwies er auf die viele Arbeit. Sie: „Wo ist das Problem? Du musst sowieso jede Nacht dreimal raus.“ Sein älterer Nachbar habe sich eine junge Frau aus dem Internet bestellt. Andreas: „Was machst du, wenn du sie nicht mehr gern hast?“ Nachbar: „Dann drücke ich auf der Tastatur Alt und Entfernen.“ Hille erntete die erste Beifall-Rakete.

Nun war wieder „DJ Andi“ von „Sound Emotions“ dran und holte die kostümierte Schar zum Tanz von den Stühlen. Auch hinter den Tischen legte ein Paar ein munteres Tänzchen hin. Später ging die „Erfahrene Ehefrau“ (Elke Meyer) in die Bütt und hackte tiefgründig auf Männern herum. „Der Mann ist der Kopf der Familie, der Clown, doch Hirn im Schädel haben nur wir, wir Frau’n.“ Diese Häme teilte die „internationale“ Närrinnen-Schar aus Atter, Mettingen, Seeste, Ibbenbüren, Ohrbeck, Haste und Lotte gern – es war ja Weiberfestnacht.

Begeisterungsstürme ertanzten sich die „Knackenden Knochen“ mit schwungvollem Samba-Cancan in wehenden Röcken. Klar kamen sie um eine Zugabe nicht herum und legten gut gelaunt erneut los.

Die Stimmungswogen schwappten gewaltig hoch, als der „Sanitäter aus Leidenschaft“ (Guido Loheider) wortspielerisch seinen Alltag aufs Korn nahm: „Ich habe als Sani-Boy angefangen und bei der Oberschwester gelernt. Man kann auch sagen, ich habe sie drei Monate belegt.“ Klar was das sexistisch, aber der bundesweiten Sexismus-Diskussion wollten sich die amüsierten Frauen nicht anschließen. Zotiges wird an Karneval sogar erwartet.

Der Sani arbeite mit den tollsten Ärzten zusammen; sein Kommentar zur Narkoseärztin: „Wenn Sie die sehen, sind Sie weg“; zum Chirurgen aus einem christlichen Hospiz: „Sonntags macht er Kreuzstiche“; zum Spezialisten für Injektionen: „Er hat einen leichten Stich, unser Kanül-Arbeiter, und ist ein Arzt, der unter die Haut geht.“ Das Publikumsgejohle war riesig.

Gleichfalls, als „Cindy“ (Manuela Brinkmann) mit dem 60-Tonnen-Ballett tosenden Beifall erntete. Zum Song „Nich jeder Prinz kommt uff’m Pferd“ rockten sie den Saal. Dralle Formen in Pink mit stilechter Show machten vergessen, dass es eine Zwillings-Cindy war, die sich als Frau begehrt fühlte. Die mitreißende Nummer wiederholte „Cindy“ gern, bevor der Abend den Weibern gehörte. Sie tanzten fröhlich ab. Und zu so manch einem Abschied gehörte viel später ein: „Wir sehen uns im nächsten Jahr hier wieder.“

Text: Ursula Holtgrewe (NOZ)
Bilder: Brigitte Gausmann